Entdeckung

Am Anfang stand die Beobachtung, dass Eskimos, die ihrer traditionellen Lebensweise und Ernährung folgten, selten einen Herzinfarkt erlitten. Auffallend war: Ihre Nahrung enthielt besonders viele Omega-3-Fettsäuren. Mehr als 17.000 wissenschaftliche Studien belegen seitdem deren zahlreiche positive Effekte auf die Gesundheit.

Wie bei vielen Nährstoffen begann auch die Entdeckung der Omega-3-Fettsäuren und ihrer Wirkungen auf die Gesundheit des Menschen durch Beobachtungen. Vor etwa 150 Jahren reiste der deutsche Arzt Dr. Prosch nach Grönland und lernte dort die traditionelle Lebensweise der Eskimos kennen. Umweltbedingt aßen sie vorwiegend Fisch, Robben- und Walfleisch sowie deren Fett. Gemüse und Obst war absolute Mangelware. Dr. Prosch fiel auf, dass bei den Eskimos ungewöhnlich oft Nasenbluten auftrat, was jedoch ihre ansonsten gute Gesundheit nicht zu beeinträchtigen schien. Überraschend war, dass er dies mit der Ernährung – insbesondere mit dem Essen von Walfett – in Verbindung brachte, was sich später als zutreffend erweisen sollte.

Lange Zeit wurde den Berichten von Dr. Prosch keine besondere Beachtung geschenkt. Als etwa 100 Jahre später zwei dänische Ärzte – Dr. Dyerberg und Dr. Bang – nach den Ursachen des seltenen Auftretens von Herzinfarkten bei Eskimos in Grönland forschten, taten sie dies ohne von den Beobachtungen ihres deutschen Kollegen je gehört zu haben. Dyerberg und Bang untersuchten das Blut von Eskimos und fanden, dass es eine niedrige Gerinnungsfähigkeit aufweist. (Zur Erläuterung: Die Bildung von Blutgerinnseln ist eine Ursache für das Eintreten eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Beide werden dadurch ausgelöst, dass ein Blutpropfen ein kleines Blutgefäß im Herzen oder im Gehirn verstopft und so die Blutversorgung eines Bezirks unterbrochen ist.) Die Forscher fanden weiterhin, dass eine besondere Gruppe von Fettsäuren dafür verantwortlich ist: die Omega-3-Fettsäuren, die in großen Mengen im Fett von Kaltwasserfischen, Robben und Walen vorkommen.

Durch mehr als 17.000 Studien mit Omega-3-Fettsäuren weiß man heute, dass diese nicht nur die Gerinnungsfähigkeit des Blutes beeinflussen, sondern auch günstig auf den Blutdruck, die Blutfette, den Herzschlag, die Wirksamkeit der weißen Blutkörperchen auf Entzündungsreaktionen und die Flexibilität von Zellmembranen wirken. Letzteres liefert die Erklärung, warum nur das Fett von in eisigen Gewässern lebenden Tieren so reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Omega-3-Fettsäuren sind auch bei niedrigen Temperaturen flüssig und werden in die Membranen von Zellen eingebaut, die somit ebenfalls flexibel bleiben – ein überlebenswichtiger Effekt im Eismeer.