Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren über Fisch völlig unzureichend

Die Nationale Verzehrsstudie NVS II zeigt: Die Deutschen essen viel zu wenig Fisch

Frankfurt, 3. Juni 2008

  • Frauen essen im Mittel nur 13 g Fisch und Krustentiere pro Tag, Männer 15 g und damit weniger als die Hälfte der empfohlenen Menge an Fisch!
  • 16 Prozent der Deutschen essen keinen Fisch und nehmen damit keine Omega-3-Fettsäuren über diese wichtigste Nahrungsquelle zu sich.
  • Mehr als ein Drittel der Jugendlichen isst keinen Fisch, mit zunehmendem Alter wird dieser Anteil geringer.

Der vor wenigen Tagen von Bundesminister Horst Seehofer veröffent­lichte 2. Ergebnisbericht der Nationalen Verzehrsstudie NVS II belegt, dass in Deutschland viel zu wenig Fisch gegessen wird. Mit täglich 13 g Fisch und Krustentieren nehmen Frauen und mit 15 g Männer im Mittel nur etwa die Hälfte der empfohlenen Wochenmenge von 200 g Fisch zu sich. Bei Jugendlichen liegt der Konsum mit 5 g (junge Frauen) bzw. 6 g (junge Männer) sogar sehr weit darunter. Auch wenn in der vorläufigen NVS II-Auswertung keine Unterscheidung zwischen den Fischsorten getroffen wird und Krustentiere sogar schon einbezogen sind, lässt sich daraus eine wesentlich zu niedrige Aufnahme an Omega-3-Fettsäuren ablesen.

Im Durchschnitt essen 16 Prozent der Bevölkerung weder Fisch noch Fischgerichte, bei den Jugendlichen sind es sogar 35 Prozent bei den jungen Frauen und 32 Prozent bei den männlichen Jugendlichen. Der Anteil der Fischverweigerer nimmt mit zunehmendem Alter ab und liegt bei älteren Frauen bei 9 Prozent und bei Männern bei 7 Prozent. Fachgesellschaften in aller Welt sowie Wissenschaftler empfehlen, wöchentlich mindestens zwei Portionen Fisch (200 g pro Woche, d. h. ca. 30 g täglich) zu essen, um die Versorgung mit langkettigen, mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren sicher zu stellen. Die Hälfte sollte von Fischen aus Kaltwasserregionen - Lachs, Hering, Makrele, Thunfisch - stammen, denn nur sie enthalten nennenswerte Mengen der biologisch aktiven Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosa­pentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure). Sie schützen bekannt­lich das Herz-Kreislauf-System, wirken entzündungshemmend, tragen maßgeblich zur Entwicklung des Gehirns und der Sehfähigkeit bei, fördern die geistige Leistungsfähigkeit und senken das Risiko für Demenzerkrankungen und Alzheimer deutlich. Die Zufuhr von alpha-Linolensäure, der Omega-3-Fettsäure aus pflanzlichen Ölen wie Lein-, Walnuss- und Rapsöl, spielt nur eine untergeordnete Rolle, weil sie im Körper zu einem sehr geringen Teil (unter 5 Prozent) in die biologisch aktive Form EPA umgewandelt wird.

Angesichts der aktuellen Daten, weist der Arbeitskreis Omega-3 e. V. darauf hin, dass der Bevölkerung in verstärktem Maß auch mit Omega-3-Fettsäuren angereicherte Produkte wie Brot, Brötchen, Margarine und Eier sowie Nahrungsergänzungsmittel wie Kapseln mit Öl aus Fisch oder DHA-reichen Meeresalgen empfohlen werden sollten, um die Versorgungslücke zu schließen. Übereinstimmend mit internationalen Fachgesellschaften empfiehlt der Arbeitskreis Omega-3, täglich mehr als 0,3 g EPA/DHA (= 300 mg) zu sich zu nehmen.

Gehalt an den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA in 100 g fettreichen Kaltwasserfischen (essbarer Anteil)

Fischart EPA-Gehalt (in mg/100g)* DHA-Gehalt(in mg/100 g)* EPA/DHA gesamt (in mg/100 g)*
Thunfisch 1.385 2.082 3.467
Lachs 749 1.860 2.609
Hering 740 1.170 1.910
Makrele 640 1.138 1.778

* Die Werte unterliegen natürlichen Schwankungen.
Quelle: Souci - Fachmann - Kraut (2008): Die Zusammensetzung der Lebensmittel - Nährwert-Tabellen. 7. revidierte und ergänzte Aufl.. Wiss. Verlagsgesellschaft, Stuttgart